Rothenburg – intra muros

Der Wiederaufbau der rothenburgschen Stadtmauer versiegelt die mittelalterliche Traumwelt in ihrem Inneren. Genauso wenig die Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert überdauerte, so wenig ist das ihr Eingeschlossene alt oder authentisch. Kein Haus stand, wie es steht. Keine Straße lag, wie sie liegt. Die Mauer, komplett, dicht, glatt, sichtbar.

Inszeniert eine mittelalterliche Stadt! Fäkalien in den Gassen, wurmstichiges Holz, durchregnete Dächer, der Geruch von Verbranntem – und die Mauer: angelehnte Ställe, ungebändigter Efeu, Steinschlag, Ziegelfall. Instandsetzung alle 123 Jahre. Und irgendwann steht sie im Weg. Die Durchfahrt zu klein. Der Weg herum zu weit. Die Sicht versperrt. Haut Löcher hinein!

Die Mauer, die Stadt sind heute denkmalhistorisch. Kein Abbild vergangener Zeiten. Sie sind nur jetzt und hier. Kulminationspunkt einer Entwicklung. Ein inszeniertes Nebeneinander, wo es kein Nebeneinander gab. Ein zusammengeraffter Bauzustand, dessen Details über Jahrhunderte datieren.

Unsere Vorstellungswelt besteht aus Architekturskizzen. Dreidimensional verwirklicht. Ohne fliegenden Müll. Ohne schlafende Menschen. Ohne ratterndes Fuhrwerk auf Pflaster. Alles in einem Idealzustand festgemörtelt, pastellgefärbt und druckgereinigt. Der Katalog, der Reiseführer, der Rundweg halten das Pasticcio zusammen. 1000 Jahre Geschichte auf 50 Hektar komprimiert.

Wir nehmen begangene Erinnerungen mit. Kaffeetrinkend, sitzend, spazierend in einer unbedrohlichen Stadt, in der wir nicht leben mussten. Anfassen erlaubt. Der Ausgang ausgeschildert. Freundlich zum Ende.

Kauft griechische Anleihen

Paleo Faliro. Geld wird in Griechenland jetzt nachhaltig angelegt. Reiterstandbilder sind dafür bekannt, dass sie lange halten. Das älteste erhaltene datiert auf ca. 165 AD.

Das hier zu erahnende soll ca. 3000 Jahre stehen. Dazu wird es auf einen massiven Betonsockel postiert, der selbst auf 5 Stahlbetonsäulen ruht, die 80 Meter in der Tiefe gegründet wurden.

Die Statue kann bei gelegentlichen Scharmützeln mit der Türkei binnen 10 Stunden durch eine Pappmachéreplik ersetzt und in ca. 1000 Maschinengewehre umgeschmiedet werden.

Dekalog

DIE GEBOTE DER JUNGPIONIERE Die 10 Gebote
WIR JUNGPIONIERE
lieben unsere Deutsche Demokratische Republik.
Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
WIR JUNGPIONIERE
lieben unsere Eltern.
Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden !
WIR JUNGPIONIERE
lieben den Frieden.
Du sollst nicht töten.
WIR JUNGPIONIERE
halten Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und allen Ländern.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
WIR JUNGPIONIERE
lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.
Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem Nächsten.
WIR JUNGPIONIERE
achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit.
Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren !
WIR JUNGPIONIERE
sind gute Freunde und helfen einander.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Mann oder Frau.
WIR JUNGPIONIERE
singen und tanzen, spielen und basteln gern.
Du sollst nicht stehlen.
WIR JUNGPIONIERE
treiben Sport und halten unsere Körper sauber und gesund.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.
WIR JUNGPIONIERE
tragen mit Stolz unser blaues Halstuch.
Gedenke, dass du den Sabbat heiligst.